zur Radierserie

Le salaud. Il n’existe pas! — Der Lump! Er existiert nicht! — The bastard! He doesn’t exist! (Beckett, Endspiel)
Radierserie zu Beckettstudien: 32 Blätter; Plattengröße 20 cm x 15 cm (Gruppe 1 – 3) und 20 cm x 20 cm (Gruppe 4); je Gruppe 8 Blätter; Bogengröße ca. 53,5 cm x 38 cm; Zerkal Bütten 300g; 2009 – 2010; verstählte Platten

Gruppe 1 – 3: Weichgrundätzung, Photoumdruck, Konterdruck und Aquatinta; Gruppe 4: Heliogravüre

Gruppe 1: Zitate: (Dante, Beckett, Rubens, Boticelli, Codex Urbinate Latino 365)
Gruppe 2: Zitate der Zitate: Elemente neu zusammengestellt, Textdarstellungen nur noch als Muster erkennbar, Fragmente; Konterdrucke und Photoumdrucke auf die blanke Kupferplatte: Kopien und Ausschnitte aus Gruppe 1
Gruppe 3: Konterdrucke und Photoumdrucke auf Aquatinta aus Gruppe 2 und Vorgriff auf Gruppe 4; Fragmente aus Fragmenten;
exaktere Darstellungsmöglichkeit durch erweiterte Technik (Aquatinta) in den Flächen
Gruppe 4: die drucktechnisch gegebene Möglichkeit einer realistischen Bildform (Heliogravüre eines Zitates eines Urlaubsfotos, digital verarbeitet und wieder auf Film auskopiert) dominiert die Darstellung; unklarer Hinweis auf –Mönch am Meer– von C.D. Friedrich; wieder Möglichkeit der Fragmentierung und der Wiederholung
[(siehe Beckettstudien: [Nur das Ding wäre absolut real, das nicht wieder Bestandteil wäre: kein Denken aus einem Prinzip, welches die Fragmente zu einem System vernetzt. Friedrich Schlegel]
Der Lump! Er existiert nicht!) ]
Blatt 32 beendet die Radierserie: Sie enthält alle Ideen, die wir in ihr entdecken; keine Idee enthält die Radierserie. Die Radierserie enthält zudem zwei erzählende Zwischenspiele, Serie in Serie; Rezitation als Einlage: uns bekannte Abbildungen / Elemente als Einlagen werden fragmentiert, sie folgen mehr einer Darbietung als einer Darstellung (Gruppe 1 + 2). Das nächste Zwischenspiel geht tiefer, ist ebenfalls Rezitation; aber wohl zuvor ausgedacht (Gruppe 3 + 4): Rezitation der Rezitation; den Stoff scheinen wir zu erkennen, aber in verkleinerter Perspektive, ähnlich einem auswendiggelernten Text. So greift scheinbar alles ineinander, krallt sich gegenseitig fest, und ist doch nur im unsicheren Gleichgewicht. Inhaltlich bremst sie knapp vor der Tautologie, (der inhaltlichen Bedeutungslosigkeit); technisch erforscht sie dadurch ohne darstellerische Ablenkung und Theatralik die Grundformen der Grafik / Radierung, deren Möglichkeiten und deren Grenzen.

Drucker: Stefan Feigl, München
Herstellung der Heliogravüreplatten: Alois Achatz, Regenstauf
literaturwissenschaftliche Unterstützung: Friedhelm Rathjen, Scheeßel
Auflage: 10 römisch; geschlossene Mappen, inklusive Titelblätter + 20 arabisch, einzelne Blätter, keine Titelblätter

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